Das werde ich mir nicht einfach machen. Warum auch - wäre doch langweilig:
Dreh Freitag, 04.11.2011. Veröffentlichung: 24 Stunden später.
Weil´s geht. Als Herausforderung.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das nächste Video steht schon für Ende August in den Startlöchern: Für die aktuelle Single von "The Satellite Year" wird es Hollywood-Action pur geben. Freut euch mit mir über die ersten Bilder.
Endlich fertig und schon etwas stolz: Für ein saarländisches No-Budget Musikvideo ist das gar nicht sooo schlecht geworden ;)
Mehr bald im ausführlichen Making-Of...
Das Musikvideo "Seelengezeiten" zur gleichnamigen Single des Rap-Musikers "kri3ger" (aka Carsten Greif) vom Album "Innere Angelegenheiten" wurde im Dezember 2010 von im Saarbrücker Studio "Die Luminanz" gefilmt und in den Folgewochen in einer aufwendigen Postproduktionsphase um 3D-Computergrafikelemente erweitert.
Hauptakteur des Videos ist der Musiker, der in einem abstrakten dunklen Raum inmitten mehrerer tausend schwarz-glänzender Spähren, sowie im Zwiegespräch mit sich selbst seinen Song performed.
Bildsprache und Dramaturgie des Videos wurde im Gespräch mit dem Musiker erarbeitet um eine stimmige Einheit mit der Musik zu bilden, trotzdem aber inhaltliche Interpretationsspielräume zu gewährleisten.
Bereits in dieser Vorproduktionsphase wurden die stilistischen Parameter des Projektes festgelegt: Die bewusst hochkontrastige Lichtstimmung des Schwarz-Weiss Videos sollte durch starkes Kantenlicht und nur sehr wenig Fülllicht erreicht werden. Das Endresultat lebt bildgestalterisch ausschliesslich von diesen Hell-Dunkel-Kontrasten, sowie stimmiger Bildkomposition. Geringe Tiefenschärfe, sowie nachträglich eingefügtes Filmkorn verleihen der Produktion trotz digitaler Aufnahmetechnik einen analogen Film-Look. In Animatics wurde der Stil der geplanten 3D-Grafikelemente bereits vor dem Dreh getestet und festgelegt:
Die eigentliche Produktion des Videos umfasste 5 Schritte:
1. Dreh
Der Künstler wurde vor einem einfachen schwarzen Hintergrund in verschiedenen Kameraperspektiven beim performen des Liedes gefilmt. Hierbei wurde die Geschwindigkeit des Playbacks und die Aufnahmegeschwindigkeit der Kamera variiert.
So wurde das Lied z.B. in halber Geschwindigkeit gesungen und erst im Schnitt wieder auf die richtige Länge gebracht: Dadurch wirken die Bewegungen des Musikers oft mitunter abrupt und interessant. Gefilmt wurde auf einer Canon 5D Mark II Spiegelreflexkamera. Beim Dreh standen mir Markus "Rodrigo" Bürster, Markus Braun und Alex Lehnert hilfreich zur Seite.
2. Synchronisation und Schnitt
Nachdem alle Aufnahmen (36 Kameraperspektiven) so gesyncht wurden, dass ein durchgängiger Schnitt zwischen den einzelnen Kameraperspektiven gewährleistet werden konnte, wurde das Video mit besonderem Blick auf Musik- und Textrhythmus, sowie der noch einzubauenden grafischen Elemente geschnitten. Da ein Großteil der Bildinhalte erst im Nachgang digital eingefügt werden sollte, war hier Phantasie und Vorplanung erforderlich.
Der Schnitt erfolgte in Adobe Premiere.
3. Freistellen der Filmaufnahmen
Da bis auf den Musiker der gesamte Hintergrund und große Teile der Handlung grafisch gefertigt wurde, wurde der Künstler nun Bild für Bild in mehreren tausend Bildern händisch vom Hintergrund freigestellt, um ihn in die grafisch erstellte Umgebung einsetzen zu können.
Ein zeitaufwendiges Unterfangen, das mehrere hundert Stunden Arbeit forderte, aber unabdingbar war: Traditionelle Bluescreen/Greenscreenlösungen hatten sich bei ersten Tests aufgrund der geforderten Lichtstimmung als unbrauchbar erwiesen.
4. 3D-Rendering
Der "ausgeschnittene" Künstler wurde nun Schnitt für Schnitt in der 3D-Software Maxon Cinema 4D in einer virtuellen 3D Umgebung platziert. Hier wurden nun die Animation der Umgebung und der Kugeln nach und nach erzeugt. Auch die Kameraführung wurde nachträglich digital augmentiert: während des Drehs war die Kamera bis auf wenige Aufnahmen stationär auf einem Stativ verankert. Besonderer viel Mühe wurde bei diesem Arbeitsschritt darauf verwendet, die Kamerabewegungen möglichst "menschlich" aussehen zu lassen: zufälliges wackeln oder zoomen simulieren hier einen "echten" Kameramann. Diese Willkürlichkeit der Kamerabewegung verstärkt die Integration des gefilmten Musikers mit der digitalen Umgebung.
Ebenfalls wurde darauf geachtet, dass Lichtrichtung und Intensität zwischen Realaufnahmen und virtuellen Elementen identisch sind.
5. Compositing
In Adobe AfterFX wurde mit Hilfe verschiedener in der 3D-Software erstellten Bildkanäle nun nachträglich Tiefenunschärfe und Fokusverlagerungen ergänzt, sowie eine finale Bildbearbeitung durchgeführt.
Mein ursprünglicher Plan war eigentlich, dieses Video relativ schnell "rauszuhauen". Das Material vom Set eröffnete dann aber so viele Gelegenheiten, dass ich mir die Zeit nehmen wollte, es richtig zu machen: Freut euch also auf ein Video, auf das so mancher Major-Label Artist mehr als neidisch wäre.
Ambition ist der natürliche Feind von Nachtruhe.
Ein vormals geposteter PreViz-Shot Das "Final" des gleichen Shotskri3ger - Jay-Z kann einpacken.
Die Fisheye-Optik, die die Grundlage für die komplette Karriere von Busta Rhymes war... Das hat Saarbrücken lange Zeit gefehlt: ein wirklich gutes Studio.Irgendwas ist immer: Schneetag
Watch it in HD on VIMEO
Die Vorbereitungen zum Dreh mit KRI3GER laufen auf Hochtouren. Am 19.12.2010 geht´s in der LUMINANZ in Saarbrücken zur Sache. Nach dem Lincoln Drive-Dreh freue ich mich auf eine beheizte Studioumgebung mit Lounge und Kaffeeküche. Eins kann ich schon mal verraten: Es wird diesmal Schwarz/Weiss.